Vortrag  des Freiburger Kirchensoziologen
Prof. Dr. Michael Ebertz am St. Xaver:

Katholische Schule -
Optimistischer Aufbruch in die Zukunft

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Seit vielen Jahren sehen sich die christlichen Kirchen und damit auch die katholischen Schulen verschiedenen Krisen ausgesetzt. Einen nachhaltigen Einfluss übt dabei die "Tradierungskrise"  aus, in der sich das Verhältnis der Jugend zur Kirche zu einem regelrechten "Traditionsabbruch" ausgewachsen hat, so Prof. Ebertz im Rahmen  seines Vortrages "Katholische Schule in der Gegenwart" in der Aula des Gymnasiums St. Xaver, Bad Driburg.
Prof. Ebertz, Soziologe und Theologe an der Katholischen Fachhochschule  Freiburg und Privatdozent an der Universität Konstanz, ist einer  der führenden deutschen Kirchensoziologen.


Der Referent erläuterte dem sehr interessierten und fachkundigen Publikum eindrucksvoll und streckenweise auch schonungslos die gesell-schaftlichen  Rahmenbedingungen: So stünden für Jugendliche wichtige Sozialisations- und Erfahrungs-kontexte - wie z.B. Schule, Kirche, Freundeskreis - weitgehend unverbunden nebeneinander. Eine Beschränkung der gesellschaftlichen  Rolle der katholischen Schulen als "einer der letzten Orte, an dem  der Katholizismus noch gesichert werden kann", werde nicht ausreichen.  Vielmehr sei eine Neuorientierung und Neupositionierung notwendig.
Prof. Ebertz skizzierte treffend und lebendig zahlreiche Wege, die die  katholischen Schulen aus der Krise führen können und die darüber  hinaus sogar als Chance begreifbar sind. Für Jugendliche könne  beispielsweise die katholische Schule einen neuen Knotenpunkt im Netzwerk  aus der Familie und dem Rest der Gesellschaft bilden. Maßgeblich sei ferner der Aspekt der Weitergabe des Glaubens durch "personale Interaktion". So entstünden sittliche Werte durch Erfahrungen  und würden weniger durch kognitive Weitergabe vermittelt.

Überdies müsse eine katholische  Schule Rücksicht auf den in der Gesellschaft bereits vollzogenen  Wandel von einer "Überlebensorientierung" der 50er Jahre  zu einer der heutigen gesellschaftlichen Realität angepassten "Erlebnisorientierung" nehmen. Kennzeichnend für diesen Wandel sei die "Ästhetisierung" der Jugendkultur, die vornehmlich durch Spontaneität, Spannung, Sinnlichkeit oder auch Stress geprägt ist. Zur Zeit werde der Katholizismus noch als unvereinbar mit diesen Leitbegriffen wahrgenommen. Demgegenüber solle die katholische Schule einen Ort der "Verbindung und des geschützten  ästhetischen Experimentierens" bieten. In diesem Rahmen seien auch Angebote für religiös besonders Interessierte - "religiöse Virtuosen" nach Ebertz - an unseren Schulen unabdingbar. Eine katholische  Schule müsse in Zukunft verstanden werden als ein "Hochplateau  für Qualifizierung" wobei ausdrücklich das ehrenamtliche Engagement in den Blickpunkt der Förderung rücken müsse.

Prof. Ebertz fasste seine wegweisenden konzeptionellen Überlegungen u.a. in einigen Thesen zusammen: Der  Aufbruch in eine veränderte gesellschaftliche Realität ist für eine katholische Schule möglich, wenn diese neue Erfahrungsräume  bereitstellen kann und der Gesichtspunkt der "gelebten Christlichkeit"  in den Vordergrund rückt. Förderlich sei dabei die Kopplung  von "Leistungs- und Liebesprinzip" in der katholischen Kirche. Grundsätzlich können diese Ziele nur im Rahmen einer eigenverantwortlichen  "Selbstverpflichtung" erreicht werden. Die sich an den Vortrag  anschließende Diskussion dokumentierte den enormen Erkenntnisdrang  des Publikums.

Bereits in einer Vormittagsveranstaltung "Jugend und Kirche" für die Jahrgangsstufen 10 - 13 setzte sich Prof. Ebertz mit dem Verhältnis von Jugendlichen zur Kirche auseinander. "Zwischen Jugend- und Kirchenkultur klafft eine große  Lücke". Diese These konnte der Referent durch die Ergebnisse zahlreicher empirischer Untersuchungen belegen.

Prof. Ebertz verstand es, sich auf die Denk- und Sprechweise der Jugendlichen einzulassen, so dass eine natürliche  Atmosphäre des Dialogs entstand, unter anderem auch deswegen, weil  der Referent seine persönliche Motivation an den vorgestellten soziologischen Untersuchungen deutlich machen konnte.

Auch in dieser Veranstaltung zeigte der  Vortragende Möglichkeiten auf, wie die katholische Kirche auf veränderte gesellschaftliche Situationen adäquat reagieren kann. Auf besonders  große Sympathie bei den Schülerinnen und Schülern von  St. Xaver stieß dabei die Idee einer "Jugendkirche".

Ein deutliches Indiz für das Entwicklungspotenzial der katholischen Kirche sah Prof. Ebertz aufgrund einiger empirischer  Untersuchungen, die eindeutig eine positive Erwartungshaltung der Jugendlichen  gegenüber der katholischen Kirche zeigen. Diese Haltung machten sich auch die Zuhörer zu eigen, wie die abschließende Diskussion deutlich unterstrich.

 

 

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