Sozialpraktikum

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Seit wann gibt es das Sozialpraktikum am Gymnasium St. Xaver?

Wer, wenn nicht die Familien und Schulen, kann die soziale Sensibilität der Jugend und damit der nächsten Generation wecken, schärfen und stärken.

Ein Sozialpraktikum – ein Praxis- und Unterrichtsprojekt sozialen Lernens, wurde 1992 konzipiert für Katholische Freie Schulen von der Arbeitsgruppe „Innovation“ der Zentralstelle Bildung der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn. Dabei umschreibt die Idee eigentlich nichts absolut Neues: An über zehn kirchlichen Schulen nämlich werden in Deutschland seit Jahren schon sogenannte Sozialpraktika unterschiedlicher Ausprägung durchgeführt, und die bisherige Bilanz ist durchweg positiv: Alle bestätigen die Notwendigkeit eines solchen Projektes, ermuntern die Initiatoren und widerlegen die Skeptiker.

Auch an unserer Schule haben wir schon lange darüber nachgedacht, den Schülerinnen und Schülern ein Sozialpraktikum zu ermöglichen. Als Folge dieser Diskussion wurde an unserer Schule erstmalig im Jahre 1999 für die Jahrgangsstufe 11 ein Sozialpraktikum durchgeführt. Wir sind ständig bemüht, die entsprechenden sozialen Einrichtungen in unserem Raum zu erfassen und Kontakt aufzunehmen.

Für organisatorische Aufgaben, die Abstimmung mit den sozialen Einrichtungen und die Koordination der unterrichtlichen Begleitangebote (Vorbereitung, Begleitung, Reflexion), sind Lehrer/innen als Koordinatoren verantwortlich.

Das Projekt soll folgende Merkmale aufweisen:

  • Es soll für die Schülerinnen und Schüler der Jgst. 10 verpflichtend sein.
  • Die unterrichtliche Begleitung ist integraler Bestand des Konzepts.
  • Wir gehen nach der Erfahrung anderer Schulen davon aus, dass ein Teil der Schülerinnen und Schüler auch nach dem Praktikum zeitweise die Arbeit in der sozialen Einrichtung fortsetzt.

Schüler, die bereits ein Sozialpraktikum geleistet haben, betonen einhellig den Zugewinn existentieller Erfahrungen. Dass unsere Schülerinnen und Schüler sensibilisiert werden für aktive Mitmenschlichkeit und gelebte Solidarität, ist wichtig, auch wenn sie später in anderen Berufsfeldern arbeiten und dort Verantwortung für Menschen haben.

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Sinn und Zweck eines Sozialpraktikums

1. Begründung und allgemeine Zielsetzung

 a) Begründung von den Gesellschaftlichen Erfordernissen her und allgemeine                        Zielsetzung

Wirft man einen wachen und kritischen Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit in unserem Land zu Beginn dieses Jahrhunderts und Jahrtausends, so muss man mit Besorgnis feststellen,

  • dass wirklich humanes Verhalten in vielen Bereichen gesellschaftlichen Lebens in den Hintergrund tritt und Ellenbogenmentalität und Ich-Fixiertheit zunehmen.
  • dass die Frage nach dem Nutzen eines Tuns und auch des menschlichen Lebens wichtiger wird als die Anerkennung der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit jeden Lebens.
  • dass Selbstverwirklichung immer mehr mit Egoismus und Leben auf Kosten anderer verwechselt wird.
  • dass der selbstlose Dienst am Nächsten einerseits zwar von vielen für nötig erachtet und gefördert wird, andererseits aber auch zunehmend belächelt und nicht als persönliche Herausforderung empfunden wird.
  • dass Cool-Sein und Härte-Zeigen für viele attraktiver ist als Empathie und Sympathie zu entwickeln.
  • dass Zuwendung zu alten, behinderten und kranken Menschen oder Menschen mit besonderen Problemen zunehmend unter dem Kostenaspekt gesehen wird und sich soziale Kälte ausbreitet.
  • dass viele Menschen die wirklich beglückende Erfahrung des Gebrauchtwerdens nicht mehr machen.
  • dass der Gedanke, unentgeltlich für andere dazusein, bei einigen kein Ansehen besitzt und dass derjenige, der hilft, in Rechtfertigungszwang gerät, nicht derjenige, der nicht hilft.
  • dass sich eine Mentalität des Wegsehens ausbreitet nach dem Motto: “Ich bin doch nicht gefordert!” oder “Was kann ich schon tun?”
  • dass viele Menschen (auch Jugendliche) einseitig auf Konsumorientierung und fremdgesteuertes Freizeitverhalten festgelegt sind und Erfahrungen wirklicher menschlicher Begegnung zurückgehen.
  • dass Toleranz im Sinne der Achtung und Duldung anderer Meinungen zurückgeht und dafür Gleichgültigkeit und Ignoranz wachsen.

“Unsere gesellschaftliche Wirklichkeit gibt uns Anlass zur Zukunftssorge um die Voraussetzungen des menschlichen Zusammenlebens. Weil Schule mehr als andere zur Gestaltung der Zukunft beiträgt und weil die lange Verweildauer in der Schule die Schüler unauslöschlich prägt, waren wir (d.h. die Arbeitsgruppe “Innovation” der Zentralstelle Bildung der Deutschen Bischofskonferenz, Verf.) uns rasch einig in der Antwort auf die Frage: Wer, wenn nicht die Familien und Schulen, kann die soziale Sensibilität der Jugend und damit der nächsten Generation wecken, schärfen und stärken?” (aus: Arbeitsgruppe “Innovation” der Zentralstelle Bildung der Deutschen Bischofskonferenz, Compassion – Ein Praxis- und Unterrichtsprojekt sozialen Lernens: Menschsein für andere, Bonn o.J.)

Aufgrund der oben genannten Beobachtungen und in Übereinstimmung mit der Einschätzung der gesellschaftlichen Lage heute durch die Arbeitsgruppe “Innovation” der Zentralstelle Bildung der Deutschen Bischofskonferenz und aus der festen Überzeugung heraus, dass die guten Ansätze im jungen Menschen geweckt und gefördert werden können, weil wir Gottes Geschöpfe sind, möchten wir für SchülerInnen der Jgst. 10 ein Sozialpraktikum anbieten. Im Unterschied zu anderen Schulpraktika, bei denen die Berufsorientierung im Vordergrund steht, möchte das Gymnasium St. Xaver ein Praktikum anbieten, bei dem der Gedanke “Compassion -Menschsein für andere” im Vordergrund steht. Die Leitfrage des Praktikums ist also nicht: “Wie kann ich konkrete Berufserfahrung sammeln, die mir die Wahl des Ausbildungszieles erleichtert?”, sondern: “Wie kann ich im Umgang mit Menschen in verschiedenen (auch belastenden) Situationen erfahren, dass ich gebraucht werde, und wie kann ich lernen, soziale Verantwortung wahrzunehmen und mit meinen eigenen Bedürfnissen in Einklang zu bringen?” Dass dabei die Frage des eigenen Werdegangs auch berührt werden kann, ist möglich, steht aber nicht im Vordergrund.

Das Gymnasium St. Xaver, kath. Gymnasium, möchte mit dem Sozialpraktikum im Sinne der oben genannten Herausforderungen einen Beitrag dazu leisten, SchülerInnen auch für andere Probleme als die eigenen zu sensibilisieren.

  • SchülernInnen die Augen zu öffnen für die mögliche Erfahrung tiefer Beglückung, die aus einem wirklichen Dienst am Nächsten erwächst.
  • SchülerInnen ansatzweise und für überschaubare Zeit herauszuführen aus der Enge herkömmlicher schulischer Sozialerfahrungen in die Begegnung mit Menschen in verschiedenen Lebens- und Problemsituationen.
  • SchülerInnen aufmerksam zu machen auf die Belastungen, denen andere Menschen ausgesetzt sind (z. B. durch Krankheit oder auch nur durch die Mühsal der täglichen Pflichterfüllung), und ihnen so zu helfen, eigene Belastungen relativieren zu lernen.
  • die herkömmliche Meinung zu korrigieren, dass Behinderte und Hilfsbedürftige vor allem eine Last sind, SchülernInnen deutlich zu machen, dass gerade Menschen in der Not ihres Lebens reich an Erfahrungen sind und anderen Hoffnung geben können.
  • SchülerInnen darauf aufmerksam zu machen, dass Zuverlässigkeit und Treue gerade im Dienst an anderen unlässliche Tugenden sind und in diesem Dienst neu entdeckt werden können.
  • SchülernInnen zu zeigen, dass gerade sie mit ihren Fähigkeiten andere Menschen froh machen können und Einsamkeit durchbrechen können.
  • SchülernInnen deutlich zu machen, dass der Helfende immer auch der Beschenkte ist.
  • SchülernInnen bewusst zu machen, dass Krankheit und Not und auch Vergänglichkeit zum Leben gehören, dass aber in helfendem Miteinander manche Not und Hoffnungslosigkeit bewältigt werden kann.

Die Organisatoren des Praktikums sind sich dessen bewusst, dass ein zeitlich begrenztes Sozialpraktikum die genannten Ziele nur anbahnen kann. Andererseits können auch ansatzhafte Erfahrungen dazu führen, Wege weiter zu beschreiten, d. h. hier an der Gestaltung einer solidarischen Zukunft der Gesellschaft mitzuarbeiten. Der angestoßene Prozess des Nachdenkens und sozialen Lernens kann in den SchülernInnen weiterwirken und sie später zu Multiplikatoren in diesen Fragen machen.

b)   Anbindung an die Grundordnung des Gymnasiums St. Xaver

Es gehört zum Profil einer christlichen Schule, SchülerInnen zu sensibilisieren, das soziale Miteinander von Menschen in den Blick zu nehmen, und Bereitschaft zum sozialen Engagement zu wecken.

c)    Begründung für die Durchführung des Sozialpraktikums in der Jgst. 10

Für die Durchführung des Sozialpraktikums in Jgst. 10 sprechen folgende Gründe:

  • Die SchülerInnen haben in ausreichendem Maß individuelle Reife, Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit, sich auf soziale Problemfelder und problematische Situationen einzulassen.
  • Das ohnehin stark kognitiv ausgerichtete Lernen der Oberstufe kann durch das im Praktikum vermittelte soziale Lernen ergänzt werden.
  • Die Schulverdrossenheit, die sich häufig einstellt, kann durch solche alternativen Lernerfahrungen verringert werden.

2. Beschreibung der Praktikumsstellen

Die Arbeit in sozialpädagogischen Einrichtungen ist so vielfältig, dass sie nur schwer auf einen Nenner gebracht werden kann. Es kann sich bei den Einrichtungen um OTs (Offene Türen), TOTs (teiloffene Türen) oder geschlossene Institutionen und Bildungseinrichtungen handeln. Sozialpädagogische Einrichtungen haben die unterschiedlichsten Funktionen, z. B. sind sie zuständig für die Bereitstellung von Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche, Mädchen- und Frauenarbeit, Wohngruppen für Jugendliche in Problemsituationen, Maßnahmen für langzeitarbeitslose Jugendliche, Integration von Ausländern, Suchtberatung, Elternarbeit, Angebote für Alleinerziehende usw. Je nach Aufgabenbereich unterscheiden sich die Tätigkeiten der Sozialpädagogen.

Ein im sozialpädagogischen Bereich Arbeitender muss sehr unterschiedliche Qualifikationen besitzen. Einerseits muss er “einen Draht” zu seiner Zielgruppe haben, seien es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Andererseits muss er Fähigkeiten im kreativen Bereich besitzen, mindestens hinsichtlich der Angebote, die er durchführen will. Er muss im Team arbeiten können, da viele Tätigkeiten in Gruppen durchgeführt werden. Ebenfalls gehören zu dieser Tätigkeit Organisationstalent und die Fähigkeit, mit Behörden und anderen Institutionen verhandeln zu können, auch mit der Presse. Im Gespräch mit Jugendlichen muss er einfühlsam, verständnisvoll, aber auch konsequent sein.

Das Praktikum kann nur einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben geben. Im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, dem Leitungsteam und den oben genannten Bereichen kann man viele Verhaltensweisen beobachten und einüben und so seine sozialen Kompetenzen erweitern.

a) Kindergarten:

Wer gerne mit kleinen Kindern zusammen ist, ist im Kindergarten sicher an der richtigen Stelle. Man erhält Einblick in den Umgang mit Kindern im Vorschulalter, in die Entwicklung von Kindern und ihre jeweilige Förderung, in Lernverhalten und Sozialleben in einer Gruppe. Je kleiner die Kinder sind, desto länger sind Spielphasen, in denen sich die Kinder mit den verschiedensten Spielen beschäftigen. Sehr kleine Kindern spielen eher allein, das Bedürfnis, mit anderen etwas zusammen zu tun, entsteht erst im wachsenden Alter. Die erste tiefgreifende Erfahrung beim Eintritt in den Kindergarten ist für das Kind eine stundenweise Trennung von der Mutter. Es öffnet sich ein neuer Lebensraum mit neuen Menschen, Erzieherinnen, anderen Kindern, mit neuen Spielen, für Einzelkinder das Gruppenleben, neue Räume usw.. In all diesen Bereichen macht das Kind neue Erfahrungen. Die Erzieherinnen versuchen, die Kinder körperlich, geistig und seelisch zu fördern. Man kann beobachten, wie sie versuchen, den Kindern die Welt nahe zu bringen. Eine weitere schwierige Phase setzt ein, wenn die Kinder auf den Schuleintritt vorbereitet werden.

b) Ambulante Pflege:

Um eine breite medizinische Versorgungskette zu gewährleisten, gibt es die ambulanten Dienste. Sie betreuen und pflegen alte und behinderte Menschen in der gewohnten häuslichen Umgebung. Patienten, die in der ambulanten Pflege behandelt werden, sind häufig solche, die eine länger andauernde Krankheit haben, die einen Krankenhausaufenthalt nicht sinnvoll erscheinen lässt. Oder es handelt sich um Menschen, die in einem gewissen Rahmen zu Hause fertig werden, also nicht in ein Heim gehen, aber durch “Essen auf Rädern”, Arzneien o. a. unterstützt werden müssen. Manchmal warten diese hilfsbedürftigen Menschen schon auf den einzigen Besuch der Krankenschwester. Neben der Versorgung ist damit der Pflegedienst auch ein wichtiger Gesprächspartner, der das Leben der Patienten bereichert. Die tägliche Versorgung mit “Essen auf Rädern” bietet den Menschen einen festen Punkt am Tag, an dem sie auch menschlich betreut werden. Neben medizinischer und pflegender Fürsorge berät der Dienst auch in sozialen Fragen und unterstützt pflegende Angehörige. Die Kurzzeitpflege richtet sich an Pflegebedürftige und pflegende Angehörige, z.B. dann, wenn pflegende Angehörige in Urlaub fahren wollen oder wenn nach einem Krankenhausaufenthalt man noch nicht wieder selbständig in der eigenen Wohnung leben kann.

c) Krankenhaus:

Im Krankenhaus zu arbeiten erfordert ein hohes Maß an medizinischen und psychologischen Kenntnissen und persönlichem Einsatz. Daher ist die Arbeit für jeden, der dort tätig ist, sehr anspruchsvoll. Jeder war selbst schon einmal krank und weiß, dass man sich in diesem Zustand nicht wohl fühlt. Man empfindet Schmerzen, für manchen ist es schwer, sich von anderen Menschen abhängig zu fühlen und auf ihre Hilfe angewiesen zu sein. Der Bewegungsraum ist sehr eng, bei Bettlägerigen beschränkt er sich auf das Bett/Krankenzimmer, in leichten Fällen auf die Station. Kranke, die hinausgehen könnten, dürfen das Krankenhaus ohne Begleitung nicht verlassen. Im Krankenzimmer muss Rücksicht auf andere genommen werden, der Tagesablauf ist fast jeden Tag gleich und bei längeren Krankheiten lässt er die Menschen oft abstumpfen. Mancher hat Hoffnung auf Gesundung, es gibt aber auch unheilbar Kranke. Der Patient selbst bekommt auch manches Leid anderer Kranker zu sehen und zu hören. Der Kranke kann in der Regel nicht zu jedem Zeitpunkt mit dem Facharzt im Gespräch sein, für die tägliche medizinische und menschliche Versorgung sind die Krankenschwestern und -pfleger zuständig. Für manchen ist es ein Schock, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, da man in der Regel zu den ernster Erkrankten gehört. Mit all diesen Problemen wird ein Mensch, der im Krankenhaus arbeitet, ständig konfrontiert und lernt immer mehr, damit umzugehen. So kann gerade die Arbeit im Krankenhaus viele Kompetenzen im Umgang mit Menschen neu vermitteln und vertiefen.

d) Altenheim:

In der Altenpflege zu arbeiten, erfordert ein hohes Maß an Geduld und Engagement. Für viele alte Menschen ist das Altenheim die letzte Station auf ihrem Lebensweg und für manche ist das schwer zu verarbeiten, wenn sie sich dessen bewusst werden. Alte Menschen machen die Erfahrung, nicht mehr so leben zu können wie früher, sie können nicht mehr so arbeiten, die Kräfte lassen nach. Mancher leidet unter Vereinsamung, da frühere Kontakte durch den Tod nicht mehr da sind oder man immer weniger von Freunden oder Bekannten besucht wird. So ist das Pflegepersonal oft kein echter Ersatz. Auch die Umgebung ist nicht mehr die vertraute Wohnung mit den eigenen Möbeln und Gegenständen, sondern eben nur ein Heimzimmer, auch wenn es noch so gemütlich ist. Man kann nicht mehr kommen und gehen, wann man will, sondern muss sich dem festen Tagesablauf unterordnen. Das zunehmende Nachlassen der körperlichen und geistigen Fähigkeiten lässt die Menschen unterschiedlich reagieren. Manche werden apathisch oder verwirrt. Zunehmend sind sie auf die Hilfe anderer angewiesen, es fehlen die Kontakte nach außen. Gerade der Umgang mit alten Menschen braucht sehr viel Geduld, weil sich alles viel langsamer abspielt. Das Engagement lässt leicht nach, da man oft schon ahnen kann, wie dieselbe Person wieder reagieren wird. Doch ist gerade im Altenheim für die alten Menschen der Umgang mit jungen Leuten ein großer Trost und eine große Freude. Insofern kann diese Arbeit – so schwer sie manchmal ist – auch sehr befriedigend sein.

e) Behindertenheim – Werkstätten:

Den meisten Menschen fehlt die Erfahrung mit Behinderten, so dass sie mit Unsicherheit oder Antipathie auf Behinderte reagieren. Ein unangemessener Umgang mit Behinderten zeigt sich im peinlichen Wegschauen oder Anstarren, in negativen Bemerkungen aber auch im falschen Mitleid. Behindertsein ist ein Sammelbegriff für eine Vielfalt von körperlichen, geistigen und seelischen Beeinträchtigungen, die verhindern, dass der Behinderte in jeder Hinsicht problemlos am alltäglichen Leben teilnehmen kann. Zu körperlich Behinderten gehören Rollstuhlfahrer, Menschen mit amputierten Gliedmaßen und solche, deren Sinnesorgane schlecht oder nicht funktionieren (Sehbehinderungen, Blindheit, Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit etc.).

Neben den alltäglichen Verrichtungen, die dadurch eingeschränkt werden, hat der Behinderte oft mit gesellschaftlicher Isolation zu kämpfen (meist wird die Begleitperson angesprochen, nicht der Behinderte selbst) und damit, sich eventuell sein ganzes Leben auf diese “Un – Angepasstheit” einstellen zu müssen. So sind oft stärkere Hilfestellungen notwendig, die Behinderten zu einem sinnvollen Leben verhelfen. Körperlich Behinderte üben zum Beispiel in einem für sie angemessenen Rahmen verschiedene Tätigkeiten aus.  Der Umgang mit geistig Behinderten, Gehörlosen oder Menschen, die sich nur schwer ausdrücken können, erfordert viel Sensibilität und es ist oft schwierig, sich in ihre Lebenswelt hineinzuversetzen. Der Behinderte spürt mindestens, ob man eine Beziehung zu ihm aufbauen möchte, ob er angenommen wird. Im handwerklich – künstlerischen Bereich üben viele Behinderte Tätigkeiten aus, die ihnen Erfolgserlebnisse verschaffen. Auf keinen Fall darf man die durchschnittlichen Leistungskriterien und Erwartungen an diese Arbeit stellen und man muss im Umgang eine große Geduld üben. Auch die Fähigkeit, sich eine längere Zeit auf eine Arbeit zu konzentrieren, ist bei den verschiedenen Behinderungen sehr unterschiedlich. Im Behindertenheim lernt man den Alltag der Behinderten kennen. Man lebt mit einer Wohngruppe zusammen und erlebt die Behinderten bei den Mahlzeiten, in der Gruppe, bei der Freizeitgestaltung. In den Behindertenwerkstätten sind die Behinderten in der einfachen Produktion tätig. In der Fördergruppe erlernen sie grundlegende Fertigkeiten, z. B. sich ausdrücken und verständigen können. In der Arbeitsvorbereitungsgruppe werden für den Arbeitsprozess wichtige Verhaltensweisen und Arbeitstechniken erlernt. Im Produktionsprozess schließlich werden Gegenstände hergestellt. Die Behinderten bekommen 70% des Gewinns als Arbeitslohn und Rentenanspruch. Es arbeiten dort Behinderte, die in Heimen oder privat wohnen. Sie werden jeden Tag mit einem Kleinbus zu den Werkstätten gebracht.

Zur Tätigkeit im Behindertenheim passt ein Satz aus Tansania besonders gut: “Jeder Mensch ist ein anderes Land”. Neben allen Schwierigkeiten kann die Arbeit mit Behinderten viel Zufriedenheit und Glück bringen, denn Behinderte äußern ihre positiven Gefühle oft viel besser als andere Menschen. Um eine menschliche Welt zu schaffen, sollten wir nicht nur allein etwas für Behinderte tun, sondern mit ihnen leben, reden, handeln. Erst dann werden Einrichtungen für Behinderte wirklich sinnvoll, wenn die Behinderten selbst gefragt werden, was ihnen das Leben erleichtert. So bietet gerade das Praktikum mit Behinderten die Möglichkeit, einen den meisten Menschen fremden Lebensraum besser kennenzulernen und zu verstehen.

3. Die Organisation des Sozialpraktikums und rechtliche Fragen

Das Sozialpraktikum findet am Ende des 1. Halbjahr der Jahrgangsstufe 10 für alle SchülerInnen verbindlich statt. Das Sozialpraktikum dauert 2 Wochen. Da es sich um eine schulische Durchführung handelt, sind die Schüler und Schülerinnen während der Zeit des Sozialpraktikums über die Schule versichert.

Die organisatorische Bereitstellung der Praktikumsplätze obliegt den Organisatoren in Absprache mit der Schulleitung. Sie nehmen auch die Verteilung der Schülerinnen/Schüler auf die Praktikumsplätze vor, indem sie die SchülerInnen aus einem Pool von Praktikumsstellen wählen lassen und ihnen darüber hinaus die Möglichkeit geben, auch selbst Stellen zu suchen. Bei mehrfachem Interesse auf eine Stelle soll, wenn möglich, eine Einigung mit den SchülernInnen erzielt werden. Nur im Notfall soll es zum Losverfahren kommen. LehrerInnen, die in der Jahrgangsstufe 10 unterrichten, nehmen einen Besuch pro SchülerIn an der Praktikumsstelle vor. Dabei erkundigen sie sich nicht nur bei dem Praktikumsbetreuer, ob der Praktikant/die Praktikantin zurecht kommt, sondern sprechen auch, wenn möglich, mit dem Praktikanten/der Praktikantin selbst. Probleme, aber auch positive Rückmeldungen sind an die jeweiligen Organisatoren weiterzugeben.

Die SchülerInnen verpflichten sich, die Praktikumsstelle täglich pünktlich zu besuchen und die dort geltenden Haus- und Personalordnungen einzuhalten. Die SchülerInnen sind nachdrücklich auf ihre Pflicht zur Verschwiegenheit hinzuweisen; außerdem darauf, dass sie sich im Krankheitsfall an der Praktikumsstelle und an der Schule abzumelden haben. Einen Arbeitslohn gibt es nicht. Vor Antritt des Praktikums stellen sich die SchülerInnen an ihrer Praktikumsstelle vor. Die Praktikumsstellen verpflichten sich insbesondere zur Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen und zur Zuweisung altersgerechter Aufgaben.

Ansprechpartner für das Sozialpraktikum: Frau Herrmann