Der Umgang mit der NS-Vergangenheit im 21. Jahrhundert

Verfasst von Marijan Wiechers (Q2)

Relativierende Aussagen über die national-sozialistische Terrorherrschaft und den Holocaust, das Erstarken nationaler Parteien und Bewegungen, ein zum Teil wenig verantwortungsvoller Umgang mit der Vergangenheit: Die aktuellen Entwicklungen werfen die Frage nach dem richtigen Umgang mit der NS-Vergangenheit im 21. Jahrhundert auf.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs ist bald 75 Jahre her und ein Teil unserer Gesellschaft verliert immer mehr den Bezug zur Vergangenheit. Rassistisch-nationalistische Kommentare wie der des Thüringer AFD-Vorsitzenden Björn Höcke nehmen zu: “Der Syrer, der zu uns kommt, der hat noch sein Syrien. Der Afghane, der zu uns kommt, der hat noch sein Afghanistan. Und der Senegalese, der zu uns kommt, der hat noch seinen Senegal. Wenn wir unser Deutschland verloren haben, dann haben wir keine Heimat mehr!” (Erfurt, 2015). Und noch viel schlimmer: sie werden von Teilen der Gesellschaft toleriert oder sogar unterstützt.

Die in der Gesellschaft und in der Politik auftretende Polarisierung wirft viele Fragen auf. Eine davon ist: Haben wir denn nichts aus der NS-Zeit gelernt, sodass sich völkisch-nationale Parteien, wie zum Beispiel die AfD, selbst ‚Volkspartei‘ nennen?

Deutschland befindet sich erneut an einem wichtigen Punkt in seiner Geschichte. Wie sollen wir die NS-Zeit weiter aufarbeiten, wenn uns die Zeitzeugen fehlen? Reicht der (Geschichts-)Unterricht überhaupt noch aus, um einen politisch eigenständig denkenden Menschen zu erziehen, der für die Freiheit aller Menschen einsteht und diese auch vor Faschisten und Extremisten verteidigt? Eines ist klar: Wir dürfen die Vergangenheit nie ruhen lassen und nie damit aufhören, uns gegen Rassismus, Antisemitismus usw. zu wehren. Es ist unsere Pflicht, als Bürger von Europa und der Welt, für unsere Werte einzustehen.

Anmerkungen zum Unterrichtszusammenhang von Raphael Fecke (Geschichtslehrer):

Im Rahmen eines kleinen Projekts machten sich die Schüler des Leistungskurses Geschichte der Q2 Gedanken zum Umgang mit der NS-Vergangenheit im 21. Jahrhundert. Ein Einblick in die Ergebnisse:

  • Evelyn Klassen fasste ihre Gedanken zum Umgang mit nationalistischen und unwürdigen Kommentaren oder Posts in Social Media in einem lesenswerten Essay zusammen, der hier gelesen werden kann.
  • Steffen Keil beschäftigte sich, ebenfalls in Form eines sehr guten Essays, mit der Frage „Erinnern – Aber wie?“ Er kann hier eingesehen werden.
  • Zwei Gruppen erstellten Instagram-Seiten, die unter den Namen „erinnere_dich_1933“ und „intolerante_posts“ zu finden sind. Neben allgemeinen Informationen zum Nationalsozialismus sollte dort auch auf intolerantes oder unangemessenes Verhalten im Netz aufmerksam gemacht werden.
  • Weitere Gruppen erstellten ein Video mit kurzen Interviews sowie einen Entwurf einer App. Diese Ergebnisse können an dieser Stelle jedoch nicht veröffentlicht werden.
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