Zum Sozialpraktikum nach Thessaloniki (Griechenland)

Ein Bericht von Lotta Lüke (9c)

Das Sozialpraktikum aller Neuntklässler im Januar 2019 ging über einen Zeitraum von zwei Wochen. Jeder Schüler sammelte seine eigenen Erfahrungen in unterschiedlichen Berufen, vom Praktikum im Kindergarten bis zur Arbeit im Altenheim. Ich absolvierte mein Sozialpraktikum in Thessaloniki (Griechenland) an einer deutschen Grundschule.

Der Kontakt kam über eine befreundete Familie zustande, die vor einigen Jahren dorthin ausgewandert ist. Der Vater der Familie arbeitet als Lehrer an der deutschen Schule. Während des Praktikums hospitierte ich in den Klassen 1-4, sowohl in den Haupt- als auch in den Nebenfächern. In der dritten Klasse verbrachte ich die meiste Zeit meines Praktikums. In diese Klasse ging auch eines der Kinder der befreundeten Familie, bei der ich für die zwei Wochen des Praktikums wohnen durfte. Der Junge hat ein Syndrom und ist, was den Unterrichtsstoff angeht, noch längst nicht so weit wie seine Mitschüler. Trotzdem wird er von den anderen Schülern als ein vollwertiges Mitglied der Klasse akzeptiert und nicht benachteiligt. Nach der Schule habe ich zusammen mit ihm Hausaufgaben gemacht, wodurch mir auffiel, dass es ihm schwerfällt, sich zu konzentrieren und dass er sich schnell ablenken lässt. Trotz allem merkte man, dass er gerne in die Schule geht und auch aufgrund seiner Behinderung nicht den Spaß am Unterricht verliert. Auch unter den anderen Schülern konnte man deutliche Unterschiede im Lernverhalten feststellen, die sich in den verschiedenen Fächern bemerkbar machten. Durch das Praktikum konnte ich lernen, mit den verschiedenen Charakteren der Kinder umzugehen und sie auf verschiedene Weise zu unterstützen.

Die Deutsche Schule Thessaloniki ist in drei Abteilungen geteilt: Kindergarten, Grundschule und Gymnasium. Die meisten Kinder sind seit dem Kindergarten auf der Schule und beginnen schon im jungen Alter mit dem Erlernen einer völlig neuen Sprache. Dies ist für die meisten sehr ungewohnt und schwierig, da viele am Anfang gar kein bis kaum Deutsch sprechen können. Anschließend besuchen die gleichaltrigen Kinder gemeinsam die Grundschule und danach das Gymnasium. Am Ende der Schulzeit besteht die Möglichkeit, das deutsche Abitur zu machen oder aber den griechischen Schulabschluss. Viele nutzen die Chance, das deutsche Abi zu machen, um später auch in Deutschland studieren zu können.

An der Schule selbst lassen sich keine Unterschiede zu Schulen in Deutschland feststellen, da auch mit dem Lehrmaterial der deutschen Bundesländer gearbeitet wird. Und auch die meisten Lehrer, die dort unterrichten, kommen aus Deutschland. Es unterrichten dort auch rein griechische Lehrer, die wiederum ausschließlich die griechischen Klassen in den Nebenfächern unterrichten. Ansonsten findet auch der Unterricht dieser Schüler auf Deutsch statt.

Neben dem Schulalltag waren auch meine Freizeiteindrücke sehr spannend. Als ich in Griechenland ankam, lag dort überraschenderweise Schnee und es war ziemlich kalt. Mit dieser Situation hatte ich überhaupt nicht gerechnet, da man Griechenland meistens mit warmen Temperaturen und Sonnenschein verbindet. Die Griechen waren darauf auch nicht eingestellt, weshalb viele Leute an diesen Tagen zu Hause blieben. Es war schön zu sehen, was für eine Vielfalt dieses Land bietet. Einerseits den Strand und das Meer, andererseits auch Berge, die teilweise nah an den Städten gelegen sind und deren Spitzen mit Schnee bedeckt waren, wie der Olymp direkt bei Thessaloniki. Auch gibt es in Griechenland kleine Skigebiete, die im Winter gerne zum Skifahren genutzt werden.

Durch das Sozialpraktikum konnten ich lernen, die Menschen ganz anders zu betrachten, die sich in anderen Lebens- oder Problemsituationen befinden. Ich lernte, mit ihren Situationen besser umzugehen, ihnen auf unterschiedliche Weisen zu helfen und unterstützte sie in ihrem Alltag. Durch das Sozialpraktikum wurde mir klar, wie wichtig es ist, Zuverlässigkeit zu zeigen und somit soziale Verantwortung zu übernehmen.