Das Internat “Monseñor Angel Gelmí” in Tapacarí

Tapacarí ist ein kleines, abgeschiedenes Dorf im Andenhochland Boliviens, ca. 100 km von der nächsten größeren Stadt, Cochabamba, entfernt. Für diese, auch für bolivianische Verhältnisse recht abenteuerliche Wegstrecke benötigt man mit dem Auto, je nach Wetterverhältnissen, zwischen 4 und 12 Stunden.

Seit 2002 engagieren sich dort die Steyler Missionsschwestern, v. a. um die Bildung der dort ansässigen Bevölkerung zu verbessern. Diese besteht fast ausschließlich aus Kleinbauern, die von dem leben, was sie selbst anbauen; Verdienstmöglichkeiten gibt es keine, die meisten Campesinos sind Analphabeten; sie sprechen Quechua, die wenigsten können Spanisch, die offizielle Landessprache.

Vor einigen Jahren haben die Steyler Missionsschwestern auf Bitten des Erzbischofs von Cochabamba das Internat „Monseñor Angel Gelmi“ übernommen, um Kindern aus den sehr verstreut in den Bergen wohnenden Indio-Familien die Gelegenheit zu einem regelmäßigen Schulbesuch zu bieten. Ohne eine Wohngelegenheit und Betreuung direkt im Ort wäre dies nicht möglich, da der tägliche Schulweg für die Kinder einen mehrstündigen Fußmarsch (bis zu acht Stunden!) bedeutet. Betreut werden 120 Jungen und Mädchen, die in Tapacarí die Grundschule besuchen.

Obwohl in Bolivien vom 1. bis 8. Schuljahr  Grundschulpflicht besteht, ist der Schulbesuch v. a. in ländlichen Bereichen nicht selbstverständlich. Das  liegt zum Teil an der fehlenden Infrastruktur, zum Teil auch an der extremen Armut der Kleinbauern, die das Geld für die benötigten Schulutensilien nicht aufbringen können und zudem oft auf die Hilfe der Kinder im Haus und bei der Feldarbeit bzw. beim Viehhüten nicht verzichten können oder wollen. Dies trifft v. a. die Mädchen, für die Bildung oft als überflüssig angesehen wird.

Das Internat erhält sowohl staatliche als auch kirchliche Unterstützung, so dass inzwischen für die nötige Grundausstattung mit Möbeln (Betten, Tische, Stühle…), für den Einkauf von Lebensmitteln und für die Gehälter der Erzieher gesorgt ist. Darüber hinaus fehlt es an Vielem, und die Schwestern können unsere Spendengelder gut brauchen: So wurde z. B. mit dem beim Sommerfest 2007 erwirtschaften Betrag eine kleine Bibliothek eingerichtet; der Erlös des Sommerfestes 2008 diente als Zuschuss zur Wartung und Instandhaltung des Kleinlasters, der den Schwestern für ihre Arbeit im Internat zur Verfügung steht, sowie  zur Übernahme eines Teils der Benzinkosten. (Zur Erklärung: Der Kleinlaster wird v. a. benötigt für die 14tägig stattfindenden Fahrten nach Cochabamba, wo die Lebensmittel für jeweils zwei Wochen von den Schwestern abgeholt werden müssen.) Mit den Geldern aus verschiedenen Kollekten konnten Spiele und Unterrichtsmaterialen wie Hefte, Stifte und Bücher angeschafft werden. Und während im Jahr 2017 Spendengelder für die Umzäunung eines Feldes zum Schutz vor wilden Tieren gesammelt wurden, wurde sich im Jahr 2018 für die Anschaffung einer Zisterne zur Speicherung von Regenwasser eingesetzt.

Eine besondere Art der Hilfe leistete von August 2007 bis Juli 2008 unsere ehemalige Schülerin Linda Pott (Abitur 2007), die ein Jahr als Missionarin auf Zeit im Internat Monseñor Angel Gelmi mitgelebt und mitgearbeitet hat. Ihre spannenden und aufschlussreichen Rundbriefe waren in regelmäßigen Abständen auf der Homepage des Gymnasiums St. Xaver zu lesen.